Historie

Album von 1888

1. Bauphase 1733 - 1820

1731
Der Beschluss zur Neugründung einer Eisenhütte unterhalb des Fleckens Lauterberg wird im Bergamt zu Clausthal gefasst.

1733
Beginn der Bauarbeiten. Bau der Hochofenhütte mit zwei Hochöfen, Untere Hammerhütte, Kohlenschuppen, des Faktoreihauses, des Stalls, der zwei Hüttenhäuser, des Schlackenpochwerks, der 3. Hammer und der Zerrennhütte.

Bau des Oderwehres beim heutigen Kurpark am so genannten "Roten Ufer" und des 2,3 km langen Hüttengrabens.

1734
Bau der 3. Frisch- u. Zerrennhütte, der oberen Hammeresse, des Backofens, des Kohlenschauers hinter der Oberhütte, der 2. Frischhütte, des Formhauses, der Frischessen.

1735
Erweiterung der 1733 und 1734 begonnenen Gebäude.

1736
Errichtung des Zain- und Seileisenhammers in der ehemaligen Stahlhütte, die in der Aue neu errichtet wird (3. Gefälle). Bau der l. und 2. Frischhütte, der 3. Frisch- und Zerrennhütte.

Erster Stahlraffineur Clemens Wolffert.

1737
Bisherige Baukosten 19.382 Reichsthaler.

1738
Blechhammer wird in der 3. Hammerhütte durch den Blech- und Platinenschmied Nicolaus Zimmermann. aus Ilmenau angelegt. Betrieben bis 1798.

1740
Erster Grundriss des gesamten Hüttenkomplexes:

Übersichtsplan der Königshütte um 1740
Übersichtsplan der Königshütte um 1740
  1. Faktoreihaus
  2. Vorratskammer und Stall
  3. Zahnhütte (Hütte für Halbzeugfabrikate)
  4. Kohlenschuppen
  5. Formhaus
  6. Hütte mit 2 hohen Öfen und Hammer
  7. Schlackenpochwerk
  8. Wohnungen für den Faktor und den Hüttenschreiber
  9. Wohnungen für die Hüttenleute
  10. Backofen
  11. 1 Hammerhütte
  12. 1 Hammerhütte mit Zerennherd und Blauofen

1740/41
Erste Umbaumaßnahmen am Hochofen.

1740-1799
Betrieb eines Zerrennherds.

1741
Einführung des Rheinländischen Frischens durch Oberhütteninspektor J.A. Bertram.

1740/1750
Der Aufrichtigkeiter Teich (1722 für die Gruben im Engental angelegt), 1739 Wiesenbeker Teich, wird nach Einstellen der Gruben von der Königshütte übernommen.

1744
Bau eines neuen Zerrennherds.

1745
Stilllegung der Stahlhütte.

1748
Die Drahthütte brennt ab, wird neu errichtet.

1765
Bau eines Blauofens (Neubau?).

1773
Einrichtung einer Granuliervorrichtung für das von den Harzer Silberhütten benötigte Granuliereisen. Vermutlich Einrichtung eines Eisengranulier-Bades für Rheumakranke und Personen, die an Gelenkentzündung erkrankt sind.

1788/89
Bau der Steinrenner Hütte im oberen Siebertal als Außenstelle der Königshütte. Der 2. Hochofen der Königshütte wird stillgelegt.

1799
Erhöhung des Hochofenschachtes von 24 Fuß auf 28 Fuß (ca. 8 m). Kastengebläse.

Wiederbeginn der Stahlerzeugung.

2. Bauphase ab 1815

1815-1832
Neubautätigkeit. Neu errichtet werden Hochofen- und Gießereihalle (1832 fertig gestellt). Modellhaus (1822), Eisenmagazin und Maschinenfabrik.

Die Königshütte nach dem Neubau 1832 Aquarell von Mühlenpfordt
Die Königshütte nach dem Neubau 1832 Aquarell von Mühlenpfordt
Seitenansicht der Gießerei Königshütte Gezeichnet und entworfen von Karl Heinrich Mummenthey
Seitenansicht der Gießerei Königshütte Gezeichnet und entworfen von Karl Heinrich Mummenthey
Übersicht der Königshütte um 1840
Übersicht der Königshütte um 1840
  1. Faktoreihaus
  2. Eisenmagazin
  3. Bohr- und Drehwerk
  4. Hüttenschenke
  5. Formhaus
  6. Gießerei und Hochofenhütte
  7. Hüttenbrunnen
  8. Walzwerk für Draht  (ab 1834)
  9. Walzwerk für Stabeisen    (ab 1840)
  10. Kohlenschuppen und Eisensteinmagazin 

1823
Eine Dreh- und Bohrmaschine und eine Maschine zum Schraubenschneiden bereits vorhanden.

um 1828
Inbetriebnahme eines Kupolofens.

1830
Der neue Hochofen hat eine Gesamthöhe von 35 Fuß  (ca.10 m). Das Kolbengebläse dafür wird mit dem Bohr- und Drehwerk der Königshütte hergestellt.

1833
Bau eines neuen Holzwehres (Scholmwehr).

1834
Bau des Gebäudes und eines Walzgerüstes für die Drahtherstellung.

1840
Bau des Gebäudes und eines Walzgerüstes zur Produktion von Stabeisen. Neubau der Hammerhütten am 2. Gefälle.

1854
Inbetriebnahme des Puddelofens mit Steinkohlenfeuerung. 1870 sind drei Puddelöfen auf der Königshütte vorhanden.

1857
Stilllegung der Steinrenner Hütte.

28.10.1863
Der große im gotischen Baustil errichtete Kohlenschuppen der Hütte brennt ab.

1863
Stilllegung des Hochofens der Königshütte.

1868
Abbruch der Steinrenner Hütte.

1872
wird der Gichtturm der Hochofenhütte abgebrochen. Bau einer großen Weizenmühle an Stelle der Hammerhütte (2. Gefälle) mit 4 Mahlgängen, 6 Graupengängen und dreistöckigem Speicher.

1873-1890
Eigene Gasanstalt im ehemaligen Probierhaus.

1890-1906
Erweiterungsbau der Gießerei zwischen Formenhaus und Gießerei (Modellhaus). Abbruch eines Teils der nordöstlichen Absis des gotischen Gießereihauses.

1899
Neubau eines Lagerhauses als 2-schiffiger Fachwerkbau mit spitzem Satteldach nördlich des Formhauses. 1989 wurde dieses Lagerhaus verändert und mit Pultdach versehen.

1905
Neubau des 1904 durch Hochwasser zerstörten Holzwehres am Kurpark.

1906/1907
Zweite Erweiterung der gotischen Gießereihalle in Richtung Hüttenplatz als Formereihalle. Abbruch der nordwestlichen Mittelabsis.

1909
Vorbau vor gotischem Gebäude.

1914
Umbau und Erweiterung des Faktorei-Gebäudes als Verwaltung und Wohnhaus für den Hüttenbesitzer R. Holle.

1951/1952
Dachgeschossausbau des Faktoreigebäudes für eine Wohnung.

1952
werden 24 Werkswohnungen in der Hüttenstraße gebaut.

Die Produktion

ab 1737
Belieferung der Rohrfabrik (Gewehrfabrik) auf dem Oderfeld bei Barbis und ab 1739 dieser nach Herzberg verlegten Fabrik mit Gewehrlaufplatinen.

1750
Beide Hochöfen schmelzen 16.250 Zentner Roheisen in 65 Wochen.

1772
Verordnung zur Kennzeichnung der Ofenplatten, "K" für Königshütte.

1795
30 Hüttenleute beschäftigt. Erwähnung des Eisengranulierbades.

1800
Belegschaft 71 Personen. Die Drahthütte verfügt über 5 Zangen und 2 Leiern. Das Produktionsprogramm umfasste:

  • Öfen: Plattenöfen, Sparöfen, Roststäbe, Platten, Koch- und Bratöfen, Kaminöfen, Plättöfen, Herdplatten, Ofenfüße,
  • Werkzeuge: Ringe, Deckel, Kellertüren, Ambosse, Maueranker, Fußkratzer, Pocheisen, Gewichtsstücke bis zu einem Zentner, Schmiedeformen, Dreifüße, Futterkrippen, , Gitter, Lampenpfähle, Wellkränze für Kupferhämmer, Ausgüsse, Medaillen, Schlägel, Rammklötze,  Wellzapfen,  Zapfenlager , Roste, Ketten, Walzen, Räder, Getriebe, Pflüge, Wasserrohre, Garten- und Feldwalzen, Pressschrauben, Mörser, Pferderaufen, Feuermaschinen
  • Haushaltsgeräte:  Waffelkucheneisen, Plätteisen, Bügeleisen, Kochtöpfe, Pfannen, Kessel
    Sonstiges:  Kanonen, Gewehre, Einzelteile  für  Wasserkünste, Gebläse, 35 verschiedene Drahtsorten, Kunstguss

um 1805
Beginn des Kunstgusses: Medaillen, Büsten von Cicero und Leibniz.

1825
Anstellung des Akademischen Bildhauers Friedrich Ferdinand Splittgerber aus Berlin

1834
Herstellung des ersten Drahtseils für den Harzer Bergbau in Clausthal aus Draht der Königshütte, Entwicklung von Oberbergrat Albert.

1842
Fertigung von Klaviersaiten.

1843
Die Hütte liefert zwei Kanonen für das Hildesheimer Schützenfest.

1844
Über 300 Hütten- und Waldarbeiter arbeiten für die Königshütte.

1845
Die Königshütte liefert jährlich etwa 12.000 Zentner Eisen.

1858
Der bekannte Harzer Bildhauer Wilhelm Habich ist als Modelleur auf der Hütte tätig.

1871
Der Hochofenbetrieb wird nach dem Verkauf endgültig eingestellt. Eisengießerei und Maschinenfabrik werden weiterbetrieben.

1888
Belegschaftszahl liegt bei 250 Personen. Jährlich werden ca. 50.000 Zentner Gusswaren hergestellt.

1890
Eigene Stromerzeugung für das ganze Werk im Gebäude der Weizenmühle.

1892
Belegschaftszahl liegt bei 170 Personen. Fabrikation von Maschinen aller Art, speziell Gas- und Petroleummotore.

ab 1900
Fertigung von Maschinen für die Papierherstellung, für Getreidemühlen und komplette Anlagen für die Gipsaufbereitung. Entwicklung des sog. "Harzer Kochers" für die Gipsindustrie, Export.

1906
Die Hütte liefert eine Gipsfabrik nach Spanien in die Nähe der Stadt Aranjuez.

1935
Belegschaftszahl liegt bei 85 Personen. Die Hütte arbeitet für die Gips-, Kalk-, Zement, Zucker-, Ton-, Bergbau-, Zechen-, Chemische, Industrieofen-, Maschinen-Industrie und für Getreide- sowie Mineralmühlen. Fabrikationsprogramm: Mühlen, Aufbereitungsanlagen, Brecher, Elevatoren, Schnecken, Transmissionen, Apparate, große Zahnräder, Hand- und Formmaschinenguss. Zur Erzielung höchster Qualität stellt die Belegschaft die Erzeugnisse nicht im Akkord, sondern im Stundenlohn her. Spezialität sind rohlaufende Zahnräder mit Durchmessern bis zu fünf Metern. Rund 90% aller Gipsfabriken in Europa sind von der Hütte gebaut worden. Export liegt bei 15 - 30%.

1939
Belegschaftszahl liegt bei 100 Personen.

1939/1945
Produktion wie bisher und auch für die Rüstung.

ab 1945
Aufnahme der Serienprodukte wie Gussteile zur Hausentwässerung und Ofenguss.

1950
Belegschaftszahl liegt bei 157 Personen. Unterstützung durch den Marshallplan.

1956
Belegschaftszahl liegt bei 259 Personen.

ab 1956
Einführung kastenloser Formmaschinen. Ausbau des dünnwandigen Grauguss-Programms, dünnwandiger Maschinenguss für Elektromotorenteile.

1955 u. 1957
Lieferung von Gipsfabrikanlagen in die Türkei und
1959
nach Venezuela.

1960
Die Handelsmühle wird stillgelegt. Belegschaft liegt bei 184 Personen.

1961
Lieferung einer Gipsfabrikanlage nach Thailand, später auch nach Jamaika, Bolivien und Brasilien.

1962
Automatische Altsandaufbereitung, Modernisierung der kastenlosen Formmaschine durch Einführung einer Kunkel-Wagner Rüttelpressformmaschine.

1972
Aufstellen einer automatischen Formanlage für kastenlose Formen, des sogen. Webac-Automaten. Umstellung vom einfachen Kanal- und Ofenguss zum allgemeinen Maschinen-, Hydraulik- und Armaturenguss.

1979/1980
Herstellung von Kugelgraphitguss, Inbetriebnahme eines Kernschießautomaten.

1988
Aufstellen einer automatischen Formanlage (Künkel-Wagner).

1989
Gütesicherung der Gussfertigung durch Spektralanalysegerät und Delta-C-Gerät.

1989-1992
Trockenfilteranlage zur Entstaubung der Kupolofenschmelzanlage, Einbau einer Filter- und Gaswaschanlage für die Kernmacherei

1991
Einstellung der Fertigung von Gipswerkanlagen zur Herstellung verschiedener Gipssorten.

1991-1992
Installation der Filteranlagen für die Entstaubung der Sandaufbereitung sowie der Gießerei und Ausleerstationen.

1993
Inbetriebnahme der Regenerieranlage für harzgebundene Sande und der dazugehörenden Entstaubungsanlage.

2001
Einstellung der Produktion und Stilllegung des Betriebes

Sonstiges

13.12.1777
Johann Wolfgang Goethe besucht die Königshütte auf seiner ersten Harzreise. Seine Tagebuchnotiz: "Auf der Königshütte während (des) Fütterns mich umgesehen. Fuhr mir was ins linke Auge."

10.08.1784
Goethe besucht nochmals die Königshütte.

10.08.1811
Besuch von König Jérôme und Königin Katharina von Westfalen. Vollplastischer Eisenguss der Büsten des Königspaares.

1820
Eine Bohrmaschine auf der Königshütte und eine Walzanlage in Oker werden als die bedeutendsten Maschinen auf dem Harz erwähnt.

21.09.1839
König Ernst August von Hannover besucht die Königshütte.

1850
Verleihung der kleinen goldenen Medaille auf der Gewerbeausstellung in Hannover.

1855
Die Königshütte stellt die Reiterstatuette Georg V. von Hannover auf der Weltausstellung in Paris aus.

04.10.1856
Besuch der hannoverschen Königsfamilie  (König Georg V. und Königin Marie und Kinder) mit Gefolge auf der Hütte.

1859
Verleihung der großen goldenen Medaille auf der Gewerbeausstellung in Hannover

1884
Die Landdrostei Hildesheim genehmigt das Statut der Königshütter Kranken- und Sterbekasse.

1983
Die Königshütte wird 250 Jahre alt. Eine Jubiläumsplakette wird gegossen und der Hüttenbrunnen restauriert.

1986
Die Gesamtanlage Königshütte wird unter Denkmalschutz gestellt.

1993
Gutachten zur Perspektive des Ensembles "Königshütte" und zu Folgenutzungen für den Denkmalbestand durch Architekt Uwe Kleineberg/Braunschweig.

2010
Nachnutzungskonzept von Petri & Tiemann

2014
Anerkennung als "Kulturerbe von nationaler Bedeutung"